• Brief an den DGGG-Vorstand zur Kandidatur der 1. Vizepräsidentin

  • Liebe DGGG-Mitglieder,

    die anstehende Wahl des DGGG-Vorstands im Oktober wirft aus unserer Sicht wichtige Fragen zur wissenschaftlichen Unabhängigkeit und öffentlichen Repräsentation unserer Fachgesellschaft auf.

    Die aktuelle 1. Vizepräsidentin Prof. Dr. med. Angela Köninger kandidiert erneut für den Vorstand, wie kürzlich im DGGG-Vorstandsbericht bekannt wurde. Sie engagiert sich seit Jahren öffentlich in der sogenannten Lebensschutzbewegung und hat für die DGGG die Stellungnahme an die Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin verantwortet, in der empfohlen wurde, an der strafrechtlichen Regelung des Schwangerschaftsabbruchs festzuhalten, ohne internationale evidenzbasierte Empfehlungen wie jene der WHO zu berücksichtigen.

    Viele Kolleg:innen sehen in ihrer erneuten Kandidatur die Gefahr, dass persönliche weltanschauliche Überzeugungen Einfluss auf die wissenschaftliche Positionierung unserer Fachgesellschaft nehmen könnten. Vor diesem Hintergrund möchten wir den DGGG-Vorstand um eine Stellungnahme bitten und unsere Sorge hinsichtlich der erneuten Kandidatur zum Ausdruck bringen.

    Der Brief ist nachfolgend vollständig eingefügt. 

    Wenn Sie das Anliegen des Schreibens teilen, freuen wir uns über Ihre Unterstützung. Ihr Name wird gemeinsam mit den Namen der anderen Unterzeichner:innen unter dem Brief aufgeführt, den Doctors for Choice Germany an den DGGG-Vorstand versenden wird.

    Je mehr DGGG-Mitglieder den Brief unterzeichnen, desto deutlicher wird sichtbar, dass viele Kolleg:innen Wert auf eine wissenschaftlich unabhängige Repräsentation unserer Fachgesellschaft legen. Bitte leiten Sie den Link auch gerne an weitere DGGG-Mitglieder weiter. 

    Sie können den Text außerdem gerne unverändert oder in angepasster Form als persönliche E-Mail an den DGGG-Vorstand (info@dggg.de) weiterverwenden. Persönliche Zuschriften unterstreichen das Anliegen des Schreibens zusätzlich. 

    Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

    Doctors for Choice Germany

     

  • Brief an den DGGG-Vorstand

  • Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Naumann,
    sehr geehrte Vorstandsmitglieder der DGGG,

    als Mitglieder der DGGG verfolgen wir die anstehende Vorstandswahl im Oktober mit großer Aufmerksamkeit. 

    Die DGGG trägt als wissenschaftliche Fachgesellschaft eine besondere Verantwortung für Forschung, Lehre, Weiterbildung und die Verbesserung der gynäkologischen Versorgung in Deutschland. Ihre Repräsentant:innen prägen dabei nicht nur die fachliche Arbeit der Gesellschaft, sondern auch ihre öffentliche Wahrnehmung.

    Vor diesem Hintergrund geben uns die öffentlichen Positionierungen der aktuellen 1. Vizepräsidentin der DGGG angesichts ihrer erneuten Kandidatur für den Vorstand Anlass zur Sorge. Wie unter anderem die Tagesschau berichtete, ist sie seit Jahren in der sogenannten Lebensschutzbewegung aktiv, die sich gegen das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch einsetzt. Ihr Engagement umfasst Auftritte beim Kongress „Leben.Würde“ des Bundesverbands Lebensrecht sowie das Versenden eines offenen Briefes an Bundestagsabgeordnete, mit dem Ziel, eine Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs zu verhindern.
    Aus unserer Sicht gehen diese Aktivitäten über die Äußerung einer persönlichen ethischen Haltung hinaus und werfen Fragen hinsichtlich der Repräsentation unserer wissenschaftlichen Fachgesellschaft auf.

    Besonders deutlich wurde diese Problematik bei der Stellungnahme der DGGG an die Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin der Bundesregierung, für die die aktuelle Vizepräsidentin verantwortlich zeichnete. Die Stellungnahme empfahl der Kommission, an der strafrechtlichen Regelung des Schwangerschaftsabbruchs festzuhalten. Sie wurde von vielen Kolleg:innen kritisch diskutiert, unter anderem, weil internationale evidenzbasierte Empfehlungen wie jene der WHO darin nicht berücksichtigt wurden. Dies hat bei uns die Sorge verstärkt, dass persönliche weltanschauliche Überzeugungen Einfluss auf die wissenschaftliche Arbeit der DGGG nehmen könnten.

    Wir fragen uns: Wie kann eine Funktionsträgerin, die sich öffentlich in dieser Weise positioniert, repräsentative Führungsaufgaben innerhalb einer Fachgesellschaft wahrnehmen, die sich dem Anspruch evidenzbasierter Medizin und einer bestmöglichen Versorgung von Patient:innen verpflichtet hat?

    Schwangerschaftsabbrüche gehören mit rund 100.000 Eingriffen pro Jahr zur gynäkologischen Versorgungsrealität in Deutschland. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse der ELSA-Studie, dass sowohl die Versorgungssituation als auch die ärztliche Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich verbessert werden müssen. Die Studie macht zudem deutlich, dass die Mehrheit der Gynäkolog:innen eine stärkere wissenschaftliche Verankerung des Themas, eine Aufnahme in die Weiterbildungsordnung sowie eine Reform der rechtlichen Rahmenbedingungen befürworten.

    Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer evidenzbasierten und wissenschaftlich unabhängigen Fachgesellschaft. Angesichts der bevorstehenden Vorstandswahl bitten wir Sie daher um eine Stellungnahme dazu, wie die DGGG sicherstellen wird, dass ihre fachlichen Positionen und ihre öffentliche Vertretung auch künftig unabhängig von persönlichen Überzeugungen einzelner Funktionsträger:innen erfolgen.

    Für Ihre Rückmeldung danken wir Ihnen im Voraus.

    Mit freundlichen Grüßen

  • Datenschutzhinweis: Die Angabe einer E-Mail-Adresse ist freiwillig und dient ausschließlich dazu, Sie über den Verlauf der Initiative sowie eine mögliche Antwort der DGGG zu informieren. Die Daten werden nicht veröffentlicht, nicht an Dritte weitergegeben und nach Abschluss der Aktion gelöscht. Die Namen der Unterzeichner:innen werden ausschließlich gemeinsam mit dem Schreiben an den DGGG-Vorstand übermittelt.

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